8 wichtige Kaufkriterien für Bikepacking Satteltaschen

Nach über 1000km Bikepacking Erfahrung teile ich hier mit dir die wichtigsten Kaufkriterien für eine Bikepacking Satteltasche (Sattelrakete, Saddle Bag, Seat Pack) bei deiner Radreise. Neben total offensichtlichen Eigenschaften versuche ich auch die weniger offensichtlichen Feinheiten zu beleuchten und gebe dir Tipps für die tägliche Verwendung.

Anwendungsfälle einer Satteltasche

Eine Satteltasche – in der Bikepacking Szene liebevoll „Sattelrakete“ genannt, kommt vor allem beim Rennrad, Gravelbike und MTB zum Einsatz. Dies ist meist dem nicht vorhandenen Gepäckträger geschuldet.

Im Vergleich zu klassischen Gepäckträger Taschen sind Satteltaschen deutlich windschnittiger und kompakter im Gelände. Ein weiterer Vorteil ist, dass eine große Bikepacking Satteltasche meist das hintere Schutzblech vollständig ersetzen kann. Somit kommst du auch auf längeren Rennrad Reisen (sofern du eine Regenjacke mit nimmst) mit trockenem Hintern an.

Durch die Schlauchform der Tasche kannst du den Inhalt nur mehr oder weniger nacheinander chaotisch reinstopfen (LIFO), weshalb die Satteltasche oft für Materialien nach der Fahrt (Kleidung, Waschbeutel, etc.) benutzt wird. Für Materialien, die du während der Fahrt benötigst (Jacke, Flickzeug, etc.) kannst du besser eine Lenker oder Rahmentasche verwenden.

Wichtige Kaufkriterien

Nun kommen wir zu den „Besonderheiten“, die eine Satteltasche aufweisen kann, aber nicht muss. Ob und in wieweit du diese Features benötigst, entscheidest wie immer du selbst.

1. Volumen – 6, 10 oder 15 Liter?

Je nach dem welches Taschenvolumen du nimmst und wie du packst, könnte der Platz in der Satteltasche alleine nicht unbedingt ausreichen. Im Vergleich zu klassischen Satteltaschen links und rechts, hast du bei den großen Satteltaschen oft nur bis zu 15 Liter Platz. Hinzu kommt, dass ein solches Gewicht natürlich auch am Sattel zieht. Belädst du die Tasche zu schwer, oder ist der Sattel nicht richtig montiert, kann er gerne auch mal abkrachen. Dies ist mir nach 100km mit einer 10Liter Satteltasche bereits passiert.

Achte daher am besten immer darauf nur so viel wie nötig einzupacken und die schweren Gegenstände nach vorne (zur Sattelstrebe) zu packen. Je größer das Volumen der Tasche, desto wichtiger ist, dass sie stabil sitzt. Achte hier besser auf Qualität und nicht auf den Preis. Ich habe mir deshalb beispielsweise nur eine 10 Liter Satteltasche geholt und ergänze diese mit einer 5 Liter Lenkertasche. Hier komme ich sowieso besser an Dinge wie Werkzeug, Jacken etc. ran und das Gewicht ist auch gleichmäßiger verteilt.

Die oben beschriebene Kombination aus 10 + 5 Liter reichen mir bei Reisen ohne Zelt dicke. Wenn du noch keine Erfahrungen mit deinem Packmaß hast, dann empfehle ich dir einfach einen Müllbeutel mit X Litern zu kaufen und auszuprobieren, was du alles in diesen Sack rein bekommst.

2. Montage am Fahrrad

Die Satteltasche wird natürlich am Sattel montiert und mit mehreren Gurten gehalten. Wichtig ist, dass du diese nach dem ersten Anbringen nochmal ordentlich nachspannst. So knickt die Tasche nicht während der Fahrt langsam ein. Eine gute Bikepacking Satteltasche sollte daher stabil sein, wenig bis gar nicht einknicken und auch nicht allzu sehr nach links und rechts schwanken.

3. Wasserfestigkeit

Für mich ein Must-Have und natürlich selbsterklärend. Es wird bei einer längeren Radreise immer mal Momente geben, wo du in den Regen kommst. Es muss nicht gleich der Monsunregen sein, aber wenn du im Ziel trockene Kleidung hast, wird du dich sicherlich freuen. Direkt einher mit der Wasserfestigkeit geht auch der nächste Punkt, das Harness System.

4. Harness System

Harness System bedeutet ganz einfach, dass du eine äußere und eine innere Tasche hast. Dies hat den Vorteil, dass du beim entladen am Ziel ganz einfach die Innere Tasche mitnimmst, und die äußere am Rad montiert lässt. Einige Hersteller (Wie z.B. Topeak mit seinem Backloader) nutzen das Harness System, indem sie die innere Tasche wasserdicht verarbeiten und die Außenhülle Maximal wasserabweisend ist.

Die besagte Tasche von Topeak hatte ich gut 1000km im Test und so langsam bekommt der innere Sack Risse. Bedeutet, dass die Tasche nicht mehr vollständig wasserdicht ist. Ich war nie damit Zelten und habe sie immer gut behandelt. Das soll natürlich nicht pauschal die Taschen aller Hersteller mit Harness System verurteilen. Wenn ich jedoch noch einmal neu kaufen würde, hätte ich mich für eine Wasserdichte Außentasche entschieden und meine Sachen innerhalb entweder gar nicht in Beutel gepackt oder eben zusätzliche Beutel, wie man sie überall kaufen kann, verwendet. So bleibt man flexibler und die Tasche ist an sich dann oft auch insgesamt leichter, weil der zusätzliche Beutel wegfällt.

Neben dem bequemen entnehmen der inneren Tasche möchte ich auf der anderen Seite jedoch das aufwändigere Verpacken anbringen. Wenn man einmal an seine Sachen will, muss man immer zwei Taschen öffnen und schließen. Das kann auf die Dauer sehr nervig sein, gerade wenn die Tasche mega vollgestopft ist und man ausschließlich mit einer Satteltasche, ohne weitere Lenker- oder Rahmentasche fährt.

5. Luftventil

Einige der Taschen oder inneren Packtaschen (beim Harness System) haben ein Luftventil. Durch das Luftventil kann man überschüssige Luft aus der Tasche raus pressen, um sie noch kleiner zu verpacken. Man in meinen Augen sehr viel Sinn, mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen.

6. Schnürgurte oberhalb der Satteltasche

Ein ganz entscheidendes Feature sind die Schnürgurte auf der Satteltasche. Diese findest du Beispielsweise bei den Taschen von Topeak und Ortlieb. Hier kannst du zusätzliches Gepäck verstauen, wie z.B. Wechselschuhe, Proviant, Schlafsäcke, etc. Bedenke nur, dass all dies nicht geschützt vor Regen ist und du die Sachen selbst wasserdicht einpacken musst. Für mich ein unerlässliches Feature einer Satteltasche, unbedingt vorher beim Kauf drauf achten!

7. Rücklicht Halterung

In der Regel verdecken die Großen Satteltaschen die am Rad verbauten Rücklichter sehr stark. Damit du wieder besser gesehen wirst, empfiehlt es sich ein Klipp Rücklicht direkt an die Satteltasche anzubringen. Hierbei ist es wichtig, dass die Tasche am hinteren Ende Einschnitte hat, damit du entsprechende Rücklichter einstecken kannst. Bei den Taschen von Ortlieb und Topeak weiß ich, dass sie diese haben. Achte man auf den Bildern drauf und schau, ob auch deine Tasche eine solche Halterung ermöglicht.

Passende Rücklichter suche ich im Moment noch. Ich selbst habe das Litecco G-RAY, kann es aber leider nicht empfehlen. Hinterlasse mir gerne einen Kommentar, welches Rücklicht du verwendest.

8. Qualität und Verarbeitung

Zur Qualität und Verarbeitung lässt sich pauschal nicht viel sagen, hier kommt es konkret auf Erfahrungsbrichte anderer Nutzer an. Wichtig ist, dass diese die Taschen ausgiebig bei Wind und Wetter getestet haben. Aus diesem Grund schreibe ich Testberichte erst ab 1000km Praxiserfahrung. Denn auch wenn ich die Topeak Tasche bisher super fand, musst ich leider feststellen, dass durch den oben beschriebenen Schaden sie nun nicht mehr ganz wasserdicht ist.

Soweit halb so wild für mich. Wenn du nun aber eine Tasche kaufst, die dir mitten auf der Fahr abkracht, dann ist die Radtour unter Umständen gelaufen. Unterwegs findet sich ggf. nicht so schnell eine Lösung, bzw ist das ganze nur Stress. Und am ende zählt wieder: Wer billig kauft, kauft zweimal! Wenn du also absehen kannst, dass du die Tasche länger als eine Woche am Stück nutzen möchtest, würde ich eher auf Qualität setzen. Eine gute Radtasche hält ein Leben lang.

Fazit

Eine Bikepacking Satteltasche ist in meinen Augen etwas wunderbares! Ich fahre viel lieber damit als mit Gepäckträger und seitlich angebrachten Gepäcktaschen. Das ganze ist sehr windschnittig und kompakt, für Rennrad Touren optimal! Achtet beim Kauf darauf, dass die Tasche alle für euch wichtigen Features enthält und kauft im Zweifel besser sofort die hochwertigere Tasche.

VorteileNachteile
WindschnittigChaotisches Packen, Kein schneller Zugriff
Kompakt im GeländeSchwierige/Nervige Montage
Kein Gepäckträger erforderlich (Rennrad, MTB, Gravelbike)Weniger Platz als konventionelle Gepäckträgertaschen
Auch als Schutzblech einsetzbarVerdeckt ggf. das Rücklicht
Zusätzliches Gepäck über Schnürgurte möglich

Was sind eure Erfahrungen mit Satteltaschen? Welche wichtigen Punkte habe ich vergessen?

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen